In 9 Tagen nach Rotterdam
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Fahrtenbuch IV
Fortsetzung von:
Donnerstag, den 12.07.2007 – Rotterdam Downtown


Ein Teil der Kids zog es allerdings vor, im gemütlichen Schaukeln des Schiffes Karten zu spielen, was selbstverständlich auch erlaubt war (und von Paul Hoop im Übrigen mit Interesse verfolgt wurde).

Im Anschluss an die Hafenrundfahrt setzen sich Carola Kupfer und Peter Koch von der Gruppe ab, die das maritime Museum besuchte, um endlich wieder einmal die Website in einem Internet-Café zu aktualisieren.

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Es ist nämlich nicht einfach, bei so vielen Erlebnissen stets geordnet zu berichten – und Zeitverzug ist dabei ein echtes Problem. Zufrieden stießen die beiden am späten Nachmittag vor dem „Pannekoekenboot“ wieder zu den anderen – alles war aktuell im Netz und Eltern und Freunde können nun wieder zeitnah miterleben und sich freuen.

Das Pannekoekenboot war dann für die meisten der Höhepunkt des Tages: Auf einer gemütlichen Tour durch den Rotterdamer Hafen durfte jeder so viel Pfannkuchen essen, wie er wollte (und konnte), all inklusive sozusagen.

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Es gab die Sorten Speck, Apfel und Natur zur Auswahl, die dann noch beliebig mit Obst, verschiedenen Schokoladenstreuseln, Sirup, Käse, Wurst, Eiern, Rosinen und vielem mehr „verziert“ werden konnten – ein Angebot, von dem unsere Gruppe intensiv Gebrauch machte.

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Und so schleppten wir uns eine gute Stunde später mit vollen Bäuchen den Anleger hinauf, um den Abend mit gemeinsamen Spielen, Gesprächen und anderen gemütlichen Dingen genauso „chillig“ ausklingen zu lassen, wie er begann.

Denn das muss eben auch manchmal sein.



Freitag, der 13. (!) Juli 2007 – Rotterdam Hafen

Freitag der 13.? Kann uns nicht schrecken, nein, wirklich nicht. Gab ja auch keinen Grund, das Tagesprogramm war bereits seit Wochen bekannt, außerdem wollten alle den letzten Tag in Rotterdam genießen. Was den meisten auch gelang...

Zum Beispiel uns Betreuern, die wir uns am Abend zuvor zum ersten Mal auf unserer gemeinsamen Tour ein gemütliches Miteinander im Speisesaal des Pfadfinderheimes gegönnt hatten, bei Wein und Salzgebäck – und ziemlich erleichtert, dass alles trotz vieler Widrigkeiten doch gut geklappt hatte. Und die wir nun den kleinen Haken unserer sehr vergnüglichen Nacht ausbaden mussten, nämlich potenzierten Schlafmangel.

Zum Beispiel auch Laura, Lisa, Elisa und Deborah, die in der Nacht zuvor mit größter Empörung auf die Auszeit der Betreuer reagiert hatten (Anmerkung am Rande: diese Auszeit fand keinesfalls woanders, sondern inmitten der spielenden Kids statt) und in ihrem Frust, eben einmal nicht wie gewohnt „beaufsichtigt“ zu werden, ungewohnt harte (und unberechtigte) Worte wählten (die dann am Morgen danach wieder relativiert wurden). Und das, obwohl sie eigentlich stets zum gut gelaunten Sonnenschein der Gruppe gehören!
(schaut Euch den Video an! Eventuell die Adresse in den Browser kopieren: http://video.google.de/videoplay?docid=-142802559697908460)

Zum Beispiel auch Frau Mester, die in einer nächtlichen Runde auf den Schlafsäcken all den angestauten Frust mit ihrer 7A klären oder zumindest ansprechen konnte – und folglich auch nicht gerade viel geschlafen hatte.

Und natürlich auch die Kids, die an diesem Morgen nicht aufräumen mussten und dadurch besonders entspannt in den Tag kommen durften.

Nach einem ausgiebigen Frühstück
wurden wir alle von einem Reisebus abgeholt, der uns auf das Gelände der EMO bringen sollte.

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Zur Erinnerung: Ron van de Erve, unser Kontaktmann bei der EMO, hatte die Klasse schon in Mannheim über das Unternehmen und viele wissenswerte Details informiert.

So kannten wir bereits die Fakten, dass es sich bei der EMO um den weltgrößten Umschlagplatz für Kohle und Erz handelt, der auf einem Areal von rund 20 Quadratkilometern unmittelbar gegenüber von Hoek van Holland in bester Rotterdamer Hafenlage erstreckt. Man durfte also gespannt sein.
Erst bei der Busfahrt in Richtung Hafen wurde uns zum ersten Mal so richtig bewusst, WIE groß dieser Hafen tatsächlich ist.

Über 40 km ziehen sich die Hafenbecken den Fluss entlang – eine eigene Stadt für sich.

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Vor dem Hauptgebäuder der EMO stieg dann Ron van de Erve zu uns in den Bus ...

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... um uns die folgende Stunde über das tendenziell schwarze Gelände des Unternehmen zu begleiten.


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Und wir erfuhren und sahen viel: die gerade eingetroffenen Kohle-Schiffe, die gerade gelöscht wurden; das Container-Terminal am Hafenbecken, die vielen Schaufelradbagger und anderes schweres Gerät, um die Kohle zu verladen – und natürlich die kilometerlangen Transportbänder, die die Kohle über das Gelände transportieren.

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Den meisten von uns war natürlich auch gar nicht bewusst, wie viele Arten von Kohle es gibt – und das es durchaus einen Unterschied macht, ob ein Erz aus Australien oder aus Skandinavien stammt.
Eie interessante Erkenntnis am Rande: Das Mannheimer Großkraftwerk wird täglich mit 2 Schiffen und einem Güterzug voll Kohle von hier aus beliefert – und einer der Top-Kunden der EMO ist die Dillinger Hütte im Saarland. Wer hätte das gedacht.

Als wir uns nach einer wirklich nett und dem Kenntnisstand der Zuhörer angepassten Führung durch die Halden der EMO wieder vor dem Hauptgebäude eingefunden (und die üblichen Verdächtigen die Toiletten erfolgreich gestürmt) hatten, begann der „freie“ Teil des Tages. Schon auf der Busfahrt stellte sich heraus, dass keiner ins Museum wollte, sondern „chillen2 und Konsum auf dem Programm standen. Doch zunächst musste in unser Unterkunft noch das Geschirr vom Morgen versorgt werden, eine lästige, aber dringend erforderliche Arbeit.

Gegen 14.30 Uhr war es dann soweit: Frau Mester bekam zunächst von uns allen frei, um ihre Familie zu besuchen (am Sonntag hat ihre Mutter Geburtstag), es war ihr von Herzen ein gemütlicher Nachmittag und Abend gegönnt.
Die Betreuer Hartmut, Peter und Thomas machten sich per Fahrrad mit einigen Kids auf den Weg in die Stadt, um Souvenirs zu kaufen, Eis zu schlecken und noch das eine oder andere zu sehen.

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Betreuerin Sabine geleitete andere grüppchenweise zum nahe gelegenen Supermarkt, wo nicht nur Vla und Sirup-Kekse als typisches Holländisches Mitbringsel erworben werden konnten, sondern auch Süßigkeiten für die morgen bevorstehende Fahrt.

Und last but noch least blieben die Betreuer Carola und Herr Net in der Unterkunft, gönnten sich ein kleines Nickerchen und den Blick in ein Buch – und beaufsichtigten dabei die „Daheim gebliebenen“, die sich auf dem Rasen hinter dem Haus mit einem Fußball vergnügten, interessante Posings veranstalteten (auf was für Ideen Jungs unter sich so kommen…)


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Postkarten schrieben oder einfach einmal nichts taten.

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Kurz und gut: Es sah alles nach einem ruhigen Ausklang des letzten Tages in Rotterdam aus – aber eben nur auf den ersten Blick.
Wer genauer hinschaute und zuhörte, bemerkte, dass...
• sich innerhalb der Klasse wichtige Dinge taten und plötzlich hier in dem tagelangen Miteinander Themen wie „Mobbing“, „Freundschaft“ und soziales Miteinander in den Vordergrund getreten waren und in kleinen Gruppen und der großen Runde heftig diskutiert wurden;
• ein Lern- und Erkenntnisprozess in Gang gekommen war, der sicherlich im nächsten Schuljahr durch das nahende Ende der Klassenlehrerzeit von größerer Bedeutung sein wird –
• und dass es tatsächlich extrem wichtig ist, eine so lange Zeit so eng miteinander z verbringen, damit auch Dinge angesprochen werden können, die sonst unter der Decke des Alltäglichen verborgen bleiben.

Leider gab es auch ein paar „organisatorische“ Details, die den gemeinsamen Abend noch einmal etwas in Schieflage brachten: So stellten wir beispielsweise fest, dass zur Essenszeit (Nikolas hatte weitestgehend alleine alles vorbereitet, Thomas musste nur noch die Spaghetti ins heiße Wasser schmeißen) unsere Pappenheimer Steven (wieder einmal) und Daniel (dito) noch nicht aus der Stadt zurück gekehrt waren, da sie sich verfahren hatten.

Sie kamen dann glücklicherweise mit einer halben Stunde Verspätung und einem zerknirschten „Hier-in-Holland-sieht-alles-so-gleich-aus“ – doch Vincenza, Christina K., Gülcin und Janina fehlten immer noch. Sie waren „offiziell“ in den Supermarkt spaziert, dort aber schon seit langem nicht mehr gesichtet worden.

Als Küchenchef Thomas gerade damit begonnen hatte, die Spaghetti auf die Teller zu verteilen, trafen die „lost girls“ ein – in einem Transporter der Rotterdamer Polizei.

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Was passiert war, welche Folgen das hätte haben können (und glücklicherweise nicht hatte), wie die Gruppe damit umgeht und gehen wird und vieles mehr war dann das Thema des gesamten Abends und der halben Nacht. Glücklicherweise war die Gruppe in schwierigen Gesprächen und Diskussionen bereits geübt, so dass Frau Mester bei ihrer Rückkehr nur auf den aktuellen Kenntnisstand gebracht werden musste, um dann mit ihrer Klasse in großer Runde ins Gespräch zu kommen. Eine beeindruckende Erfahrung, von der sicherlich alle lange zehren werden.

Und so war es dann tatsächlich wieder erst Mitternacht, als wir uns in unsere Schlafsäcke verabschieden konnten, teilweise sehr aufgewühlt und bewegt, doch in dem Bewusstsein, gemeinsam etwas Wichtiges miteinander erlebt zu haben.

Wollen wir alle hoffen, dass wir davon viel in unseren Schul- und Arbeitsalltag mitnehmen können.


Samstag, der 14. Juli 2007 – Von Rotterdam zurück nach Mannheim

Abreisetag. Was das mit einer Gruppe von 36 Jugendlichen bedeutet, wird wohl nur derjenige nachfühlen können, der etwas Ähnliches schon einmal erlebt hat. Sonst kann man sich einfach nicht vorstellen,

· Wie viele herrenlose Wäschestücke beim Aufräumen auftauchen
· Welche Tricks sich einzelne einfallen lassen, um sich vor gemeinsamer Arbeit zu drücken,
· Wie eilig es wiederum andere haben, ihre Siebensachen zu packen
· Wie groß der Bedarf an Reiseverpflegung bei manchen ausfällt, auch wenn sie sich nicht bewegen müssen (wie einst auf dem Rad) und sonst bald wieder den häuslichen Kühlschrank frequentieren dürfen
· In welchem Zustand sich gemeinsame Toiletten nach so einer Zeit befinden
· Und wie gut es dann letztendlich doch gelingt, die Räume mit gemeinsamer Anstrengung wieder in einen halbwegs normalen Zustand zu versetzen.


Doch immer der Reihe nach...

Heute wurde vor dem Frühstück aufgeräumt – die Aktion war im Hinblick auf die Verköstigung sozusagen „conditio sine qua non“.

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Das letzte gemeinsame Mahl ...

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... fiel eher hektisch aus, zu viel musste noch erledigt werden:
Durchkehren
Bäder und Klos putzen
Küchendienst
Besenwagen packen
Fahrräder für den kurzen Transfer zum Bus noch einmal mit Packtaschen bestücken
Den Rasen vom Müll befreien
u. v. m.

Gerade rechtzeitig wurden wir fertig und konnten uns begleitet von Frau Mesters Schwester Saskia und ihrem Mann (die es sich nicht nehmen ließen, uns zum Abschied zu winken!)zum Bus eilen.


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Eine halbe Stunde dauerte es etwa, bis alle Fahrräder verstaut waren ...

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... und jeder seinen Platz gefunden hatte – dann ging es auf der Autobahn zurück in Richtung Heimat.

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Tja, liebe Leser, eigentlich könnte das Fahrtenbuch an dieser Stelle mit einer glücklichen Heimkehr enden…
… doch so war es natürlich nicht! Oder erinnert sich irgendjemand an eine Tour der 7 A, die ohne Panne vonstatten gegangen ist? Nein? Zu Recht!!

Denn kurz vor Frankfurt passierte es: Wir hatten uns schon freudig per Telefon für „in einer Stunde“ bei den Daheim Wartenden angekündigt, als der Busfahrer plötzlich die Fahrt deutlich verlangsamte, den Warnblinker setzte und in Weiterstadt die Autobahn im Schritttempo verließ. Schnell sickerte das Gerücht durch die Sitzreihen nach hinten durch:
WIR HATTEN EINEN PLATTEN!!!

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Ja, liebe Leser, kaum zu glauben, aber wahr: Dort, wo unsere Fahrräder im Hänger lagerten, hatte sich einer der Reifen in Einzelteile aufgelöst – eben so, als ob wir auf ganz „normaler“ Radtour wären…

Wie gut, dass unser Werkstatt-Dream-Team an Board war, das sofort (vorbei am verblüfften Busfahrer) ausschwärmte, um den Schaden zu beheben. Und es war in der Tat so, dass der Busfahrer die Unterstützung von Hartmut (der den Ersatzreifen fand), Thomas, Peter und Herrn Net ziemlich nötig hatte, um überhaupt wieder fahrtüchtig zu werden. Eine gute halbe Stunde Schwerstarbeit – und der Schaden war behoben.

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Empfangen vom Applaus der Klasse trafen die Herren wieder im Bus ein und die Fahrt konnte weiter gehen. Das Angebot von Thomas Brickmann an den Busfahrer, er könne auch gern das Steuer übernehmen, wollte dieser jedoch nicht annehmen.

Der Empfang in Mannheim durch Eltern, Freunde und Geschwister war dann noch einmal das Highlight des letzten Tages:

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Mit großen Transparenten, Rasseln, Sekt, Saft und vielen gebackenen Köstlichkeiten wurden wir lautstark und wärmstens begrüßt – das trieb dann doch manchem die Tränen in die Augen (bei den Erwachsenen wohlgemerkt, sooo uncool sind unsere Kids natürlich nicht).
Der Höhepunkt war dann die Verleihung von Urkunden und Medaillen ...

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... für die Leistungen der Tour – eine wunderbare Geste, an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an die Initiatoren. Entsprechen schwer fiel es manchen, sich nun endgültig voneinander zu trennen…

An dieser Stelle möchten wir, das heißt das während der Fahrt aktive Redaktionsteam dieses Fahrtenbuches, bei den Lesern verabschieden. Uns (Carola = Text, Peter = Fotos und Fotobearbeitung) hat es irre viel Spaß gemacht, Euch alle auf diesem Weg einigermaßen aktuell auf dem Laufenden zu halten; und es wird uns ganz sicher etwas fehlen die nächsten Wochen.

Aber….
… es geht weiter! Denn wir werden aus diesem Fahrtenbuch und all den anderen Textfragmenten, Bildern und Erlebnissen, die wir in den letzten 14 Tagen auch noch gesammelt haben, ein Buch machen (ja, richtig gebunden und mit allem Drum und Dran), das dann jeder gegen einen kleinen Obolus (Material- und Herstellungskosten) erhalten kann. Wir werden im Laufe der nächsten Woche über die Kinder darüber informieren.

Herzlichen Dank auch für die vielen motivierenden Einträge ins Gästebuch – die Seite wird noch eine ganze Weile in dieser Form online sein, also ruhig weiter schreiben!

Das Redaktionsteam


 
   
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